Auf dem Weg in ein digitalisiertes Gesundheitswesen


Die breiten Diskussionen rund um die Gesetzgebung im Bereich eHealth zeigen, dass noch viel Handlungsbedarf besteht. Auch Roche Diabetes Care sieht neben vielen positiven Entwicklungen aktuelle Herausforderungen, die zeitnah angegangen werden sollten.

Mit dem „Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen“ (eHealth-Gesetz) ist seit Beginn des Jahres 2016 ein wichtiger Schritt hin zur Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland unternommen worden. Das Gesetz enthält einen Fahrplan zur digitalen Vernetzung für die Selbstverwaltung der Praxen und für Patienten nutzbringende Anwendungen, wie einer elektronischen Patientenakte oder einem Patientenfach. Der Gesetzgeber strebt ein ausgewogenes Verhältnis an: Zwischen Anreizen, Fristen und Sanktionen für die Einführung von Anwendungen, wie dem Versichertenstammdatenmanagement, den Notfalldaten, dem Medikationsplan und bei den telemedizinischen Anwendungen. Durch diese Maßnahmen soll bis zum Jahr 2018 Deutschlands Gesundheitswesen fit für die Zukunft gemacht werden.

Viele der aktuell festgeschriebenen Ziele sollen vor allem die grundlegenden Eckpfeiler eines digitalen Gesundheitswesens markieren. Aber auch für Diabetes-Patienten werden einige der vorgesehenen Anwendungen bereits einen konkreten Nutzen bringen können:

  • Mit dem vorgesehenen Einstieg in die elektronische Patientenakte sollen so etwa bis Ende 2018 die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass Daten der Patienten aus bereits vorhandenen Anwendungen und Dokumentationen in einer solchen elektronischen Patientenakte für den Patienten bereitgestellt werden. Patienten können ihren Behandler dann über diese wichtigen Gesundheitsdaten informieren.
  • Die Patienten erhalten einen Anspruch darauf, dass ihre mittels Gesundheitskarte gespeicherten Daten in ihr Patientenfach aufgenommen werden. Im Patientenfach können auch eigene Daten, wie zum Beispiel ein Patiententagebuch über Blutzuckermessungen oder Daten von Wearables und Fitnessarmbändern, abgelegt werden.
  • Da immer mehr Menschen Smartphones und andere mobile Endgeräte für Gesundheitsanwendungen nutzen, soll bis Ende 2016 geprüft werden, ob die Versicherten solche Geräte etwa zur Wahrnehmung ihrer Zugriffsrechte und für die Kommunikation im Gesundheitswesen einsetzen können.

Als Unternehmen begrüßt Roche Diabetes Care das eHealth-Gesetz ausdrücklich als richtigen Schritt in eine zukunftsorientierte Gesundheitspolitik. Die genannten Ziele setzen wichtige Impulse. Allerdings zeigen die breiten Diskussionen sowohl vor als auch nach Verabschiedung des Gesetzes, dass noch viel Handlungsbedarf besteht. Umso wichtiger ist es deshalb, dass das Gesetz als Startschuss verstanden wird. Denn nur über eine kontinuierliche Weiterentwicklung der gesetzlichen Rahmenbedingungen kann die Zukunftsfähigkeit des deutschen Gesundheitswesens sichergestellt werden.

Auch die Aktivitäten des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) rund um aktuelle Anwendungs- und Regulierungsfragen beim Thema Fitness- und Gesundheits-Apps sind zu begrüßen. Vor diesem Hintergrund ist auch die im Frühjahr 2016 publizierte Studie „Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps – CHARISMHA“ ein wichtiger Wegweiser für den Fachdialog.
Allerdings besteht unseres Erachtens nach weiterer Handlungsbedarf, um die Digitalisierung unseres Gesundheitssystems zukunftsorientiert zu gestalten. Zu den aktuellen Herausforderungen, die zeitnah angegangen werden sollten, zählen demnach folgende Bereiche:

  • Zahlreiche Pilotprojekte zeigen bundesweit das Potential auf, wie durch Anwendungen im Bereich eHealth Patienten unterstützt, die ärztliche Versorgung gestärkt und das Gesundheitssystem perspektivisch entlastet werden kann. Äußerst selten finden diese vielversprechenden Projekte allerdings Eingang in die Regelversorgung. Ein solcher Übergang muss vereinfacht werden. Hier ist der Innovationsfond ein vielversprechender Ansatz, indem Projekte nicht nur bewertet und unterstützt werden, sondern vor allem auch deren Implementierung vorangetrieben wird. Zielgerichtete Investitionen müssen sich allerdings auch an ihren Ergebnissen messen lassen. Roche Diabetes Care wird sich nach Möglichkeit in diesen Prozess einbringen, beteiligen und hofft, dass der Innovationsfond seine vorgesehenen Ziele auch erreichen kann.
  • Mit Blick auf den Patientennutzen ist ein gezielter Auf- und Ausbau des elektronischen Patientenfachs unerlässlich, um die Möglichkeiten der elektronischen Gesundheitskarte auch im Praxisalltag für alle Versicherten ausschöpfen zu können. Allerdings sollte hierbei sichergestellt werden, dass es zu einem engen Austausch zwischen allen involvierten Akteuren kommt, sodass diese frühzeitig und zielführend eingebunden werden können. Gerade bei Volkskrankheiten wie dem Diabetes sowie seinen möglichen Folgekrankheiten besitzt ein elektronisches Patientenfach großes Potential, um die Gesundheitsversorgung der Betroffenen nachhaltig zu verbessern. Es sollte beispielsweise möglich sein, dass im Patientenfach neben den Blutzuckerwerten auch weitere Alltagsinformationen des Patienten (zum Beispiel Bolus-Werte) abgelegt werden können, sodass der behandelnde Arzt seine Patientenbetreuung durch möglichst umfassende Informationen wahrnehmen kann.
  • Wenn telemedizinische Leistungen ein fester Bestandteil der Versorgungslandschaft werden sollen, muss die ärztliche Abrechenbarkeit spezifischer Leistungen ausgebaut werden. Hier werden durch das eHealth-Gesetz erste Schritte unternommen, die es zeitnah auszubauen gilt, um die angestoßenen Entwicklungen zu unterstützen und voranzutreiben. Gerade im Bereich Diabetes bietet es sich an, Verfahren wie die Online-Sprechstunde in den Leistungskatalog mit aufzunehmen. Die vom Patienten online hochgeladenen Daten können dann vom behandelnden Arzt, unabhängig von der Anwesenheit des Patienten, bewertet werden, der wiederum sein Feedback vom Arzt dann telefonisch oder per Mail erhalten kann. Aufbauend auf diesem Schritt könnten in der Folge weitere Funktionen entwickelt werden. Andere Indikationen sind in der Diskussion um die Nutzung innovativer Ansätze schon weiter als der Bereich Diabetes, so zum Beispiel die Kardiologie. Es muss deshalb sichergestellt werden, dass die Patienten-Arzt-Kommunikation von solchen Möglichkeiten auch beim Diabetes profitieren kann.
  • Vor dem Hintergrund des zunehmenden Einsatzes telemedizinischer Lösungen ist die Schaffung und Überprüfung der Evidenz einer entsprechenden Behandlung von besonderer Bedeutung. Wir brauchen allgemeinverbindliche Standards, wie die Wirksamkeit von telemedizinischen Anwendungen belegt und ein hohes Qualitätsniveau fortlaufend gesichert werden kann. Klassische Verfahren aus dem Arzneimittelbereich greifen zu kurz und müssen adaptiert werden. So sollten etwa Ergebnisse der Versorgungsforschung, also der beobachtenden Forschung am Patienten, stärker in der Bewertung berücksichtigt und anerkannt werden. Die Lebensqualität der Patienten muss mehr in den Fokus rücken und damit einhergehend müssen die Patient Reported Outcomes auch für die Bewertung der entsprechenden Anwendungen relevanter werden.

  • Vor dem Hintergrund der gegensätzlichen Zielausrichtung von Fitness-Apps und medizinischen Apps muss die Regulierung dieser Anwendungen weiter voranschreiten. Roche Diabetes Care begrüßt ausdrücklich die mit der Studie „Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps – CHARISMHA“ einhergehende Klassifizierung und Beurteilung dieser Apps. Diese bietet einen vielversprechenden Ansatz, um den sich schnell entwickelnden Markt zu strukturieren und zu regulieren. Dabei müssen allerdings bei jeglicher Regulierung auch die praktischen Herausforderungen für die Anbieter mit im Blick behalten werden. So muss beispielsweise sichergestellt werden, dass ein technisches Update an einer medizinischen App nicht ein erneutes Durchlaufen des gesamten Zulassungsprozesses bedeuten darf. Auch die Zeithorizonte der technisch schnelllebigen Entwicklungen müssen im Bewertungsprozess mitberücksichtigt werden.
  • Insgesamt gehört die Einhaltung hoher Datensicherheitsstandards zu den Grundvoraussetzungen für alle Apps, die Daten ihrer Nutzer erfassen. Der Datenschutz ist ein äußerst hohes Gut, allerdings schließen sich Datenschutz und -sicherheit und die Digitalisierung des Gesundheitswesens nicht aus, sondern gehen Hand in Hand. Hier müssen in die Zukunft weisende und zugleich verlässliche Lösungen etabliert werden.

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