Diabetes Dialog 2/2020


Durch die nationale Diabetesstrategie (digitalen) Mehrwert für Menschen mit Diabetes schaffen

Kurz vor der politischen Sommerpause ist ein wichtiger Meilenstein hin zu einer besseren Versorgung von Menschen mit Diabetes in Deutschland gesetzt worden. Den Start einer nationalen Diabetesstrategie, wie sie der Bundestag Anfang Juli verabschiedet hat, begrüßen wir als Roche Diabetes Care ausdrücklich. Denn die Bekämpfung von Diabetes als eine ressortübergreifende Aufgabe wahrzunehmen, um ein aufeinander abgestimmtes Maßnahmenpaket zu realisieren, ist eine der drängenden Herausforderungen unseres Gesundheitssystems.

Die nationale Diabetesstrategie mit Signalwirkung in Zeiten von Covid-19
Die diversen Impulse im Rahmen der nationalen Diabetesstrategie erweisen sich aus unserer Perspektive als überaus richtungsweisend. Dazu gehören beispielsweise die Überlegungen zu zielgruppengerechten Informations- und Aufklärungskampagnen, um in der Breite für die Herausforderung durch den Diabetes aufmerksam zu machen. Angebote, um Diabetes-Informations- und Beratungsdienste auszubauen, sind ein Schritt in die richtige Richtung. Die vielen Ansatzpunkte werden allerdings nur ihre Wirkung entfalten können, wenn sie auch im praktischen Alltag von Betroffenen und Behandlern ankommen. Diabetestherapie muss für den Arzt effizienter und für den Patienten effektiver durchführbar sein. Es wird nun auf die inhaltliche Ausgestaltung der Strategie ankommen und wie diese de facto umgesetzt werden wird.

Trotz der Belastung unseres Gesundheitssystems durch die anhaltende Covid-19-Pandemie muss die Versorgung von Menschen mit Diabetes ihren zurecht hohen Stellenwert behalten. Dabei läuft es allerdings nicht auf eine Entscheidung hinaus, ob Covid-19 oder andere Erkrankungen mehr Aufmerksamkeit benötigen bzw. rechtfertigen. Den unbestrittenen Beitrag digitaler Anwendungen bei der Eindämmung von Covid-19 können wir nun auch für einen digital unterstützten Umgang mit chronischen Erkrankungen für ein effizienteres Gesundheitssystem mit zufriedenstellenden Therapieerfolgen nutzen.

Digitalen Mehrwert schaffen
Die Behandlung von Diabetes benötigt beispielsweise eine entsprechende Datengrundlage, in der standardisiert und ungehindert Daten im geschützten Raum fließen und eine Zusammenarbeit von Betroffenen und Behandlern ermöglichen. Digitale Applikationen bieten hier einen unschätzbaren Mehrwert, der Möglichkeiten in der Versorgung eröffnet, die vor einigen Jahren noch unmöglich erschienen. Es gilt nun, Versorgungsangebote zu optimieren und auszubauen: Eine Diabetesmanagement-App in der Hand des Patienten ist verbunden mit der Diabetesmanagement-Software der behandelnden Ärztin und diese wiederum über eine praxisinterne Plattform mit der ePA. Auch sollten im Bereich der Diabetologie digitale Anwendungen in das entsprechende DMP (Disease-Management-Programm) aufgenommen werden. Ebenso sollten durch das BfArM geprüfte und für die Regelversorgung zugelassene Diabetes-DiGA zukünftig in den DMP berücksichtigt werden. So könnten Betroffene nicht nur zeitgemäß versorgt werden, sondern ihre Versorgung auch deutlich verbessert werden, wie wissenschaftliche Studien nachweisen.1

Neben der mySugr® Diabetesmanagement- und Tagebuch-App sowie der Arztsoftware Accu-Chek Smart Pix® bietet Roche Diabetes Care mit der interoperablen PDM One® Plattform eine digitale Grundstruktur, mit der Diabetes-relevante Daten in strukturierter Form abgebildet werden und begleitet somit Behandelnde entlang der Behandlungspfade. Durch die einfache, regelmäßige Erhebung relevanter Daten wird auf eine messbar hohe Qualität der Therapie hingearbeitet. Mit dem weiteren Ausbau der Telemedizin könnten deshalb Plattformen wie PDM One als Diabetes-spezifische Verbindungselemente z. B. auch zur ePA (elektronische Patientenakte), verstärkt zum Einsatz kommen.

Hin zu mehr Versorgungssteuerung und höherer Versorgungsqualität
Mit der nationalen Diabetesstrategie und einem klaren Rahmen für die Bereitstellung digitaler Gesundheitsanwendungen stehen wir nun am Beginn einer zielgerichteten Entwicklung hin zu mehr Versorgungssteuerung und höherer Versorgungsqualität. Diesen Prozess wollen wir konstruktiv begleiten. Hierzu dient beispielsweise auch unsere Teilnahme mit unserer Diabetesmanagement- und Tagebuch-App mySugr an der Initiative „Zukunftsregion Digitale Gesundheit“ des Bundesgesundheitsministeriums, für die wir uns qualifizieren konnten. Im Rahmen dieser Initiative sollen digitale Versorgungsangebote in der Praxis erfahrbar und sichtbar gemacht werden. Die mySugr App wird dabei von Ärzten in der Testregion Berlin bei der Behandlung von Menschen mit Diabetes eingesetzt. Das Projekt startete am 1. Juli 2020 mit einer Laufzeit von einem Jahr. In diesem Zeitraum werden regelmäßige Arzt- und Patientenbefragungen durchgeführt, um Erkenntnisse über den Einsatz im Versorgungsalltag zu sammeln und die Akzeptanz und Anwendbarkeit für beide Seiten zu testen.

Referenzen:

  1. Chiu, C., Yu, Y., Du, Y., Yang, Y., Chen, J., Wong, L., Tanasugarn, C. (2019). Comparing social and communication apps, telephone, and usual care for diabetes self-management: A three arm quasi-experimental evaluation study (Preprint) JMIR mHealth and uHealth 8(6), e14024.
    https://dx.doi.org/10.2196/14024