Diabetes Dialog Ausgabe 02/2019


Zukunftsworkshop #MORGEN 4: Digitalisierung der Diabetesversorgung – Chance für mehr Ergebnisqualität

Das Digitale Versorgungsgesetz (DVG) wird voraussichtlich bis Jahresende verabschiedet. Die im Rahmen des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) beschlossene Mehrheit des Bundes an der gematik erhöht damit den Druck auf alle Beteiligten, die Digitalisierung des deutschen Gesundheitssystems zügig voranzutreiben. In diesem Zusammenhang hat Roche Diabetes Care Deutschland Anfang März zum interdisziplinären Zukunftsworkshop #MORGEN 4 nach Berlin eingeladen. Experten aus der Diabetologie, Vertreter der Digitalindustrie und Gesundheitspolitiker diskutierten über die Chancen Digitalisierung verbessert Qualitätsmessung in der Diabetlogie.

Das etablierte Diabetes Disease-Management-Programm (DMP) ist ein wichtiges Element der Behandlungsqualität in Deutschland, waren sich die Teilnehmer von #MORGEN 4 einig. Das Programm bildet eine solide Ausgangsbasis für eine Weiterentwicklung von Qualitätsindikatoren in der Diabetestherapie. Schon heute sind 4,5 Millionen Patientinnen und Patienten eingeschrieben und sichtbare Verbesserungen in der Therapie nachweisbar. Allerdings ist die Erhebung der Daten mit hohem bürokratischem Aufwand verbunden. Außerdem werden sie kaum zur Ableitung entsprechender Optimierungsmaßnahmen genutzt. Denn das starre DMP-System bietet nur wenige Anreize für eine Verbesserung der Behandlungsqualität. Die Digitalisierung hingegen kann die Möglichkeiten zur Qualitätsmessung weiter verbessern. Notwendig ist dafür der politische Umsetzungswille, um Qualitätsmerkmale stärker als Therapiegrundlage zu verankern. Für die Akzeptanz dieses Ansatzes bei allen beteiligen Akteuren ist es wichtig, dass die zugrunde gelegten Qualitätskriterien gemeinschaftlich festgelegt und jährlich angepasst werden.

Lars Kalfhaus beim Zukunftsworkshop #Morgen 3

Zukunftsworkshop #Morgen 4 in Berlin

Was schon heute digital möglich ist

Während des Workshops wurde anhand von verschiedenen Beispielen der Mehrwert von Big Data-Anwendungen vorgestellt. Ausgangspunkt für die Betrachtung waren folgende Fragen:

• Wie werden die Daten generiert?
• Welche Daten werden benötigt?
• Welche Qualität müssen die Daten aufweisen?
• Welche Datenschutzvorgaben müssen beachtet werden?
• Wie kann der Datenlebenszyklus gemanagt werden?

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass durch die Aufbereitung und Verknüpfung von Daten unterschiedlicher Quellen wertvolle Services für den Nutzer möglich sind. So können bereits bloße Datentransparenz und einfache Verknüpfungen von Daten erste wichtige Ansatzpunkte für Qualitätsverbesserungen und Kosteneinsparungen aufzeigen. Einen zusätzlichen Nutzen generieren Algorithmen der Künstlichen Intelligenz (KI), welche auch die Muster komplexer, sektorenübergreifend gepoolter, Datenstrukturen erkennen und auswerten können.

Die von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) angestrebte elektronische Diabetesakte (eDA) ist geeignet, den digitalen Transformationsprozess aus medizinischer Sicht aktiv mitzugestalten. Sie ist Teil der bis 2020 geplanten elektronischen Patientenakte (ePA). Dabei soll die eDA als leitlinienbasiertes, qualitätsorientiertes und interoperables Tool die Funktionen eines in Echtzeit befüllten Diabetesregisters übernehmen. Damit wird sie eine wertvolle Datengrundlage für Forschung, Präventionsmaßnahmen und eine bedarfsorientierte Gesundheitspolitik. Perspektivisch lassen sich so Behandlungs- und Präventionserfolge sichtbar machen, die auch eine Veränderung der Leistungserbringer-Vergütung ermöglichen – im Sinne eines „Pay for Performance (P4P)-Ansatzes“. Da dies laut der WorkshopTeilnehmer zwar ein erstrebenswerter, aber kein einfacher Weg sei, müsse zunächst weiter intensiv über die Definition von Qualitätsindikatoren und deren Erhebung diskutiert werden.

DSGVO-Zweckbindung verhindert breite Auswertung von Big Data

Aus juristischer Perspektive stellte man bei #MORGEN 4 klar, dass eine breite Auswertung (mit wechselnden Zielsetzungen) von Big Data-Anwendungen gegenwärtig unmöglich ist. Grund dafür ist die in der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vorgeschriebene Zweckbindung der erhobenen Daten. Ebenso fehlen momentan klare gesetzliche Regelungen zur Anonymisierung von Daten. Dies schafft Unsicherheit und verhindert, dass aktuell bestehende Daten ausgewertet werden. So bleibt das Potential für die Verbesserung der Versorgungsqualität ungenutzt – nicht nur in der Diabetologie. Laut der Experten sei darüber hinaus eine unabhängige, gegebenenfalls staatliche Stelle nötig, um die Pseudonymisierung von Big Data zu gewährleisten.

Den digitalen Transformationsprozess gemeinsam aktiv gestalten

#MORGEN 4 machte deutlich, dass bestehende Qualitätsindikatoren auf digitaler Ebene weiterentwickelt werden müssen, um die Qualität in der Diabetesversorgung weiter zu verbessern. Entscheidend sind dabei die sinnvolle Verknüpfung und Auswertung von Daten aus unterschiedlichen Datenquellen. Hierfür bedarf es rechtlicher Rahmenbedingungen, die für alle beteiligten Akteure transparent sein müssen. Wir freuen uns schon jetzt auf Ihre Fragen, Anmerkungen und Ideen dazu, wie wir dieses Ziel gemeinsam erreichen können.