Interview mit MdB Eberhard Gienger


Mehr Begeisterung für Sport und Bewegung bei Kindern fördern

Anlässlich des 4. Accu-Chek Forums für Krankenkassen, welches am 26. Oktober 2016 stattfand, diskutierten Industrie- sowie 22 Krankenkassenvertreter auf dem Roche-Campus in Mannheim zum Thema „Kooperationen – der Ansatz zur Versorgungsoptimierung“.

Die überwiegende Mehrheit der anwesenden Krankenkassenvertreter war in einer TED Umfrage der Meinung: „Kooperationen zwischen Industriepartnern und Krankenkassen werden selbstverständlicher“. Die Vielfalt der möglichen Kooperationen zeigte sich auch in den Inhalten, die auf der Veranstaltung vorgestellt wurden. Dazu gehörte unter anderem ein Vortrag zum Thema Frühprävention bei Kindern im Kindergarten- und Grundschul- alter von Frau Prof. Dr. Kerstin Ketelhut, Professorin für Pädagogik im Fachbereich Medizinpädagogik an der SRH Hochschule für Gesundheit Gera.
Prof. Ketelhut konstatierte, dass aufgrund einer ungesunden Ernährung und zu wenig Bewegung jedes sechste bis siebente Kind bzw. Jugendliche übergewichtig ist. Zudem sei bereits jedes 16. Kind im Grundschulalter und jeder 12. Jugendliche adipös. Allein in den vergangenen 15 bis 20 Jahren ist die Rate übergewichtiger Kinder um die Hälfte gestiegen, die der adipösen Kinder hat sich im selben Zeitraum verdoppelt. Diese Zahlen verdeutlichen, dass bereits in jungen Jahren Herz-Kreislauf-Risikofaktoren, wie erhöhte Cholesterinwerte oder erhöhter Blutdruck, befördert werden. Zugleich ist eine Verschlechterung der motorischen Leistungsfähigkeit bei Kindern erkennbar.

Vor diesem Hintergrund wurde das Pilotprojekt „Fitness für Kids“ ins Leben gerufen. Das Projekt zielt auf eine möglichst frühe Prävention ab. Erste Ergebnisse zeigen, dass sich hierdurch die motorische Leistungsfähigkeit der Kinder gesteigert und zugleich das Herz-Kreislauf-Risikoprofil verbessert hat. Ziel ist es, Kindern über alle sozialen Schichten hinweg Freude an der Bewegung zu vermitteln. „Fitness für Kids“ sieht eine Integration von spielerischen, niedrigschwelligen Bewegungsangeboten in bestehende Strukturen – von Kindergarten und Schule – vor. Hierzu werden Erzieher und Lehrer entsprechend geschult. Ausschlaggebend ist dabei die Kooperation von Schulen und Verbänden.

Auch Eberhard Gienger, ehemaliger deutscher Kunstturner, Bundestagsabgeordneter sowie Sportpolitischer Sprecher der CDU/CSU Bundestagsfraktion, betont, dass die Begeisterungsfähigkeit von Kindern genutzt werden müsse. So motiviert beispielsweise ein engagierter und geschulter Trainer in einem Verein Kinder, sich zu bewegen und es ihnen als etwas Angenehmes zu vermitteln. Auch Eltern müssten als Vorbilder agieren, um Kinder für Bewegung zu begeistern. Laut Gienger ist das Wesentliche bei dem von Frau Prof. Ketelhut vorgestellten Projekt, Kindern und Jugendlichen Bewegung und Sport als etwas Selbstverständliches näher zu bringen, wie das tägliche Zähneputzen oder das tägliche Frühstück, das sie ins Erwachsenen- bis hin ins Seniorenalter mitnehmen. Gienger ist auch deshalb ein Verfechter der täglichen Sportstunde. So könnten langfristige Risiken für Herz-Kreislauf- oder etwa Diabetes-Erkrankungen reduziert werden. Zudem sei es notwendig, mehr über die Wichtigkeit von Sport und Bewegung zu reden und leicht zu integrierende Bewegungsansätze für den Alltag stärker zu thematisieren. Dazu könnten etwa eine gesteigerte Nutzung von Treppen anstatt von Aufzügen oder auch mehr Sport mit Freunden gehören.

Ein weiterer Ansatz zur Gesundheitsförderung ist insbesondere das vor eineinhalb Jahren verabschiedete Präventionsgesetz. Dieses sieht neben Früherkennungsuntersuchungen auch Beiträge zur Gesundheits- förderung und Prävention vor. Laut Gienger konzentrieren sich bislang viele Programme, wie das Projekt „Fitness für Kids“, primär auf den städtischen Raum. Interessant wäre es nun, ob beispielsweise das Problem des Bewegungsmangels auch im ländlichen Raum durch Studien festgestellt und bestätigt werden könne. Gegebenenfalls wäre eine stärkere Berücksichtigung der Haus- und Landärzte im Präventionsgesetz notwendig, da diese die Risiken für Erkrankungen ihrer Patienten sehr gut kennen.

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