Auf dem Weg in ein digitalisiertes Gesundheitswesen


Die breiten Diskussionen rund um die Gesetzgebung im Bereich eHealth zeigen, dass in Deutschland noch viel Handlungsbedarf besteht. Auch Roche Diabetes Care sieht neben vielen positiven Entwicklungen aktuelle Herausforderungen, die zeitnah angegangen werden sollten.

Auf dem Weg in ein digitalisiertes Gesundheitswesen

Die breiten Diskussionen rund um die Gesetzgebung im Bereich eHealth zeigen, dass in Deutschland noch viel Handlungsbedarf besteht. Auch Roche Diabetes Care sieht neben vielen positiven Entwicklungen aktuelle Herausforderungen, die zeitnah angegangen werden sollten.

DVG: wichtiger Schritt hin zur Digitalisierung des Gesundheitswesens

Mit dem „Digitale Versorgungsgesetz“ (DVG) wurde im Juli 2019 ein weiterer wichtiger Schritt hin zur Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland durch das Bundeskabinett verabschiedet. Auch wenn die Regelungen der elektronischen Patientenakte (ePA) in einem eigenen Gesetz abgehandelt werden, können viele der bereits im DVG festgeschriebenen Ziele auch für Diabetes-Patienten einen konkreten Nutzen bringen.
Als Unternehmen begrüßt Roche Diabetes Care das DVG ausdrücklich als richtigen Schritt in eine zukunftsorientierte Gesundheitspolitik. Die genannten Ziele setzen wichtige Impulse. Allerdings zeigen die breiten Diskussionen sowohl vor als auch nach Verabschiedung des Gesetzes, dass noch viel Handlungsbedarf besteht. Umso wichtiger ist es deshalb, dass das Gesetz als Startschuss verstanden wird. Denn nur über eine kontinuierliche Weiterentwicklung der gesetzlichen Rahmenbedingungen kann die Zukunftsfähigkeit des deutschen Gesundheitswesens sichergestellt werden.
Zu den aktuellen Herausforderungen, die aus unserer Sicht zeitnah angegangen werden sollten, zählen folgende Bereiche:

Telemedizin muss fester Bestandteil der Versorgungslandschaft werden

Wenn telemedizinische Leistungen ein fester Bestandteil der Versorgungslandschaft werden sollen, muss die ärztliche Abrechenbarkeit spezifischer Leistungen ausgebaut werden. Hier werden durch das DVG weitere Schritte unternommen, die es zeitnah auszubauen gilt, um die angestoßenen Entwicklungen zu unterstützen und voranzutreiben. Gerade im Bereich Diabetes bietet es sich an, Verfahren wie die Online-Sprechstunde in den Leistungskatalog mit aufzunehmen.

Schaffung und Überprüfung der Evidenz telemedizinischer Lösungen

Vor dem Hintergrund des zunehmenden Einsatzes telemedizinischer Lösungen ist die Schaffung und Überprüfung der Evidenz einer entsprechenden Behandlung von besonderer Bedeutung. Wir brauchen allgemeinverbindliche Standards, wie die Wirksamkeit von telemedizinischen Anwendungen belegt und ein hohes Qualitätsniveau fortlaufend gesichert werden kann. Klassische Verfahren aus dem Arzneimittelbereich greifen zu kurz und müssen adaptiert werden. So sollten etwa Ergebnisse der Versorgungsforschung stärker in der Bewertung berücksichtigt und anerkannt werden.

Bewertung von digitalen Gesundheitsanwendungen durch Real-World-Evaluierungsverfahren

Roche Diabetes Care befürwortet hohe Standards bei der Aufnahme digitaler Gesundheitsanwendungen in das Leistungsverzeichnis nach § 139e (SGB V).  Allerdings müssen bei der Regulierung und Bewertung von digitalen Gesundheitsanwendungen auch die praktischen Herausforderungen für die Anbieter mit im Blick behalten werden. Dies gilt auch für das im DVG verankerte geplante Bewertungsverfahren für digitale Gesundheitsanwendungen beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). So muss beispielsweise sichergestellt werden, dass ein technisches Update an einer medizinischen App nicht ein erneutes Durchlaufen des gesamten Zulassungsprozesses bedeuten darf. Auch die Zeithorizonte der technisch schnelllebigen Entwicklungen müssen im Bewertungsprozess mitberücksichtigt werden. Wir setzen uns darum für methodisch valide und aussagekräftige Real-World-Evaluierungsverfahren ein.

Frühzeitige Veröffentlichung der Standards für die Umsetzung und Evaluierung von Pilotprojekten

Im DVG ist festgehalten, dass ein Verfahren geschaffen werden soll, mit dem nachweislich erfolgreiche Versorgungsansätze aus Vorhaben des Innovationsfonds in die Regelversorgung überführt werden. Ein ähnliches Verfahren sollte auch für Pilotprojekte außerhalb des Innovationsfonds entwickelt werden. Denn auch hier werden oft Poteniale aufgezeigt, wie durch eHealth-Anwendungen Patientinnen und Patienten unterstützt, die ärztliche Versorgung gestärkt und das Gesundheitssystem perspektivisch entlastet werden kann. Zielgerichtete Investitionen müssen sich allerdings auch an ihren Ergebnissen messen lassen. Um es uns Herstellern zu ermöglichen, dem Anspruch auf taugliche Evaluierungskonzepte schon bei der Einreichung des Zulassungsantrages gerecht werden zu können, setzen wir uns darüber hinaus für eine frühzeitige Veröffentlichung der Kriterien für die Zulassung und die Nutzenbewertung ein.

Vereinbarkeit von realistischen Rahmenbedingungen mit hohen Datensicherheitsstandards

Insgesamt gehört die Einhaltung hoher Datensicherheitsstandards zu den Grundvoraussetzungen für alle digitalen Anwendungen, die Daten ihrer Nutzer erfassen. Der Datenschutz ist ein äußerst hohes Gut, allerdings schließen sich Datenschutz und -sicherheit und die Digitalisierung des Gesundheitswesens nicht aus, sondern gehen Hand in Hand. Hier müssen in die Zukunft weisende und zugleich verlässliche Lösungen etabliert werden. Gleichzeitig müssen aber auch realistische Rahmenbedingungen z. B. beim Inverkehrbringen der digitalen Gesundheitsleistungen berücksichtigt werden. So sehen wir den im Gesetz geforderten Direktvertrieb von digitalen Gesundheitsleistungen an  vorbei als wenig praktikabel, obgleich der zugrundeliegende Datenschutzgedanke nachvollziehbar ist. Hier stehen wir zur Erarbeitung entsprechender Verfahren (z. B. über Vouchersysteme) gerne zur Verfügung.

Auf und Ausbau der elektronischen Patientenakte

Gemäß dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) müssen Krankenkassen ab dem 1. Januar 2021 ihren Versicherten eine elektronische Patientenakte (ePA) anbieten. Mit Blick auf den Patientennutzen ist ein zügiger und gezielter Auf- und Ausbau des elektronischen Patientenfachs unerlässlich, um die Möglichkeiten der ePA auch im Praxisalltag für alle Versicherten ausschöpfen zu können. Hierbei sollte sichergestellt werden, dass es zu einem engen Austausch zwischen allen involvierten Akteuren kommt, damit diese frühzeitig und zielführend eingebunden werden können. Auch sollte perspektivisch sichergestellt werden, dass zugelassene Medizinprodukte (im Fall Diabetes mellitus z.B. Blutzuckermesssysteme) grundlegende Anforderungen an Interoperabilität erfüllen.Nur so kann sichergestellt werden, dass routinemäßig erhobene Daten zur Therapieoptimierung anwenderfreundlich übertragen und ausgewertet werden können.

Nationale Diabetes-Strategie

Mit der Vereinbarung im Koalitionsvertrag, eine Nationale Diabetes-Strategie ins Leben rufen zu wollen, werden entscheidende Impulse im Kampf gegen den Diabetes und seine Folgen gesetzt. Roche Diabetes Care begrüßt diesen Ansatz ausdrücklich und spricht sich für eine möglichst baldige Verabschiedung aus. Denn die Diabetes-Bekämpfung als eine ressort-übergreifende Aufgabe wahrzunehmen, um ein aufeinander abgestimmtes Maßnahmenpaket zur Diabetesbekämpfung zu realisieren ist eine der drängenden Aufgaben unseres Gesundheitssystems.
 
Auch weitere Impulse im Rahmen einer Nationalen Diabetes-Strategie begrüßen wir, so etwa die Überlegungen zu zielgruppengerechten Informations- und Aufklärungskampagnen, um etwa in der Breite für die Herausforderung durch den Diabetes aufmerksam zu machen. Dabei sind auch Angebote, um Diabetes-Informations- und Beratungsdienste auszubauen, ein Schritt in die richtige Richtung. Entscheidend wird dabei sein, dass Diabetestherapie für den Arzt effizienter und für den Patienten effektiver durchgeführt wird.
 

Umsetzung auf Länderebene

Dabei können „maßgeschneiderte“ Diabetes-Pläne auf Länderebene dazu beitragen, spezifische Herausforderungen einzelner Bundesländer gezielt anzugehen, wie etwa den demografischen Wandel oder die Versorgung von Patienten in ländlichen Regionen.